Rückblick Jahreskonzert 2018: Ohrwürmer für eine ruhige Nacht

Zweibrücken. Die Zweibrücker Stadtkapelle begeisterte mit ihrem Programm „The Rhythm of America“ die ausverkaufte Festhalle. Auf Erfolgen ruht sich das Orchester aber nicht aus und denkt weiter groß. Von Sebastian Dingler


Mit viel Schwung dirigierte Björn Weinmann die Stadtkapelle beim Jahreskonzert in der Festhalle.

Dass es in Zweibrücken eine Stadtkapelle mit 52 Musikern gibt, ist schon eine große Leistung. Dass diese es dann auch schafft, beim Jahreskonzert die Festhalle vollständig zu füllen, ist dann praktisch noch das Sahnehäubchen obendrauf. So geschehen am vergangenen Samstag, als die Stadtkapelle ihr Programm „The Rhythm of America“ vorstellte. Der Vorsitzende Volker Lehner begrüßte die Anwesenden und meinte, er sei gespannt, welche neuen Witze der Dirigent Björn Weinmann wohl auf Lager hätte. Den ersten Scherz brachte aber Lehner selbst: „Nehmen Sie ruhig einen Ohrwurm mit nach Hause, der kann Sie dann in den Schlaf wiegen.“

Anschließend wurde er aber ernst und sprach über die Bilanz der letzten fünf Jahre: „Wir haben unser Orchester umgebaut zu einem sinfonischen Blasorchester.“ Man solle nicht denken, dass mit der jetzigen Anzahl von Musikern schon alles erledigt wäre: „Wenn man die moderne Literatur richtig spielen will, brauchen wir noch 20 Leute.“ Die große Akquise-Aktion im letzten halben Jahr habe dann wenigstens zu einem Neuzugang geführt. „Einer ist besser als keiner“, meinte Lehner dazu. Man wolle aber weiter „rasseln“, um auf sich aufmerksam zu machen.

Das Konzert begann mit der „New York Overture“ des holländischen Komponisten Kees Vlak, der die Lichter der Stadt beim Landeanflug sowie die morgendliche Stimmung in einem Stadtpark musikalisch einfing. Um dem Publikum nicht nur „schwere Brocken“ zuzumuten, wollte Dirigent Weinmann auch gerne mal etwas leichtere Unterhaltung einfließen lassen, und so kam der alte Schlager „Wochenend‘ und Sonnenschein“ zu Gehör.

Aber Moment, was hatte der nun mit Amerika zu tun? Nun, im Original stammt die Melodie von dem Amerikaner Milton Ager und wurde zum Text „Happy Days Are Here Again“ gesungen. Dann kam wieder Kees Vlak zu Gehör, der sich auch einmal mit den Musikstilen der Stadt Rio de Janeiro beschäftigt hat. Bei der Komposition „Las playas de Rio“ war es nicht ganz einfach, den Zusammenhang zur Stadt am Zuckerhut herzustellen – aber immerhin kämpfte sich die Stadtkapelle bravourös durch die komplizierte Komposition. Dabei hatte Weinmann zuvor noch geunkt: „Ich hoffe, es gelingt. Andernfalls – viel Glück!“.

In der Pause wurde für die Bigband der Stadtkapelle umgebaut. Die spielte zunächst einen Blues, ehe sie sich an den „Geschmack von Kuba“, also „Sabor de Cuba“, heranwagte. Da stimmte die Kongruenz von Musik und Region, Weinmann lieferte dazu ein tolles Saxofon-Solo ab.

Neben dem Japaner Naohiro Iwai steht der Dirigent offenbar auf holländische Arrangeure und Komponisten. Jacob de Haans vor allem rhythmisch schwieriges Stück „Oregon“ wurde so stark dargeboten, dass Weinmann seinen Musikern hinterher applaudierte. „Ich glaube, ich habe nicht zu viel versprochen, das war grandios gespielte Blasmusik“, sagte der euphorisierte Orchesterleiter, der auch für seine Zukunftspläne warb: „Wir wollen in Zweibrücken ein Zentrum für sinfonische Blasmusik aufbauen.“ Doch zunächst suche er nach Waldhörnern, einer zweiten Oboe, einem zweiten Fagott und vielleicht auch mal nach einer Harfe. Der Zuspruch der ausverkauften Festhalle war dem Orchester in jedem Fall gewiss. Spätestens nach der ersten Zugabe, einem Blues-Brothers-Medley, riss es die Zuschauer aus den Sitzen. Erst recht, als die Stadtkapelle traditionell mit dem Fliegerlied endete. Und die bereits erwähnten Witze von Weinmann, die erwartet worden waren? So viele waren es nicht, aber zumindest den kürzesten Musikerwitz überhaupt gab der Dirigent zum Besten: „Gehen zwei Musiker an einer Kneipe vorbei.“

Konzerte

Jahreskonzert 2018

Das Highlight unter den Auftritten der Stadtkapelle Zweibrücken ist jedes Jahr das Jahreskonzert

The Rhythm of America


Zweibrücken: Fest verankert im Jahreskalender der Stadtkapelle Zweibrücken ist das regelmäßig im Herbst stattfindende Jahreskonzert. Es ist das fünfte Jahreskonzert unter der Leitung von Björn Weinmann und wird am Samstag, 27. Oktober 2018 um 18.00 Uhr in der Zweibrücker Festhalle aufgeführt.

50 aktive Instrumentalisten der Stadtkapelle werden dem Publikum ihre große musikalische Bandbreite präsentieren. Eine musikalische Reise führt in diesem Jahr nach Nord- und Südamerika. Durch die intensive Probenarbeit der letzten Wochen ist die Kapelle in der Lage, feine und filigrane Interpretationen der unterschiedlichsten Stilrichtungen von Swing bis Mambo zu spielen. Bereits in der Vorbereitungsphase hat Björn Weinmann in hohem Maß Wert auf klangliche Qualität Wert gelegt.

Zum Programm:

New York Overture

von Kees Vlak 
Die beeindruckende Stadt New York mit ihrem pulsierenden Leben und unvergleichlicher Atmosphäre sowie die Musik großer amerikanischer Komponisten inspirierten Kees Vlak zu dieser Konzertouvertüre. Der Komponist hält in seinem Tonbild nach der Landung auf dem Kennedy-Flughafen die Sehenswürdigkeiten der Metropole New York fest: Den Battery Park, die geschäftige 5th Avenue, Harlem, den Central Park, das grüne Herz der Riesenstadt und natürlich das Nachtleben auf dem Broadway. Der Abschied kommt mit einem letzten Blick auf den Hafen und die Freiheitsstatue. Die faszinierende ‚New York Overture‘ ist nicht nur ein Porträt einer grossartigen Stadt, sondern auch ein besonderes musikalisches Erlebnis.

Oregon 

von Jacob de Haan
Auf eine abenteuerliche Zugfahrt durch die faszinierende Landschaft des nordwestlichen US-Staates Oregon entführt Sie Jacob de Haan. Ein langsames Thema in Moll, gepaart mit Variationen in Western- und Rockrhythmen und melodiösen Passagen sind nur einige der Elemente, die diese Reise so spannend und abwechslungsreich gestalten.

Happy Days are here again

von Milton Ager
Der Arrangeur Josef Hastreiter setzte diesen flotten Jazzschlager für sinfonisches Blasorchester so, dass es in den Füßen „juckt“ und zum Mitsingen einlädt.
Der Song, komponiert von Milton Ager (Chicago 1893 – Los Angeles 1979), wurde sehr bekannt als offizielles Lied der Wahlkampagne des Präsidenten Franklin Roosevelts 1932. Von Ager stammt auch „Ain’t she Sweet“ ein weiterer populärer Jazz-Standard.

When the saints go marching in

Arrangement von Naohiro Iwai
When the Saints Go Marchin‘ in ist ein altes Spiritual, dessen Wurzeln in der Musik der schwarzamerikanischen Sklaven liegen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde es in vielen Besetzungen und von diversen Stars wie z.B. Louis Armstrong oder Elvis Presley interpretiert. Heute kennt fast jedes Kind das Lied und jeder – ob Jung oder Alt – lässt sich von der schwungvollen Nummer immer wieder gerne mitreißen.

Songs from the States

Songs from the States

Naohiro Iwai hat sechs weltbekannte mitreißende Songs auf seine unnachahmliche Art zusammengestellt:
1. Jambalaya (On The Bayou), Komponist: Williams, Hank
2. Someone Else’s Boy, Komponist: Hosay A., Komponist: Gordon, H.
3. Live Young, Komponist: Evans, P.
4. Tennessee Waltz, Komponist: Stewart, Rod, Komponist: King, P. W.
5. Just Walking in the Rain, Komponist: Riley, R. S., Komponist: Bragg, J.
6. The End Of The World, Komponist: Kent, A.

Latin America

Das Stück ist eine Suite in “three Movements von Manfred Schneider. Die einzelnen Sätze heißen „Acapulco“, „Macchu Picchu“ und „Sao Paulo“

Y Ahora La Conga!

Jef Penders (1928), ‚der Holländer aus Valencia‘ hat das leichtere Originalrepertoire für Blasorchester schon mit verschiedenen schönen und oft originellen Tanzmelodien bereichert. Diesmal, oder eher ‚heute‘ (ahora), hat das sonnige spanische Klima Penders zu einer schneidigen und ansteckenden Conga inspiriert. Die Conga war ursprünglich ein semiritueller Tanz aus den Antillen der auch in der Gegend von New-Orleans schnell beliebt wurde. Die Lust zum Tanzen kommt ganz bestimmt!

Las Playas de Rio

… ein Konzertwerk von Kees Vlak in drei Sätzen
Die Strände von Rio de Janeiro sind weltberühmt, genauso wie die brasilianische Musik mit ihrer typischen Art. Die Vielfalt der Kulturen erzeugte nicht nur schöne Menschen, sondern auch hervorragende leicht beschwingte Musik. Das alles findet man alles an den Stränden von Rio de Janeiro. Nicht nur anlässlich des weltberühmten Carnevals. Der Komponist hat die drei Sätze dieser Komposition nach drei berühmten Stränden von Rio benannt: Trocadero, Ipanema und Copacabana.

Perez Prado

von Giancarlo Gazzani
Die Arrangements Giancarlo Gazzanis gelten als Highlights des orchestralen Big-Band-Sounds. In dieser Hommage an Perez Prado hat er vier Klassiker zusammengestellt: Mambo Nr. 8, Ritmo de Chunga, Patricia und Mambo Jambo.

New York 1927

Das Arrangement von Warren Barker lässt die Stimmung der 20er Jahre in New York aufleben. Das Stück ist dreiteilig: auf einen Ragtime im Stile Scott Joplins folgt ein Blues à la Gershwin. Die Komposition endet in einem marschartigen Schlussteil, überschrieben mit „Chaos in Manhattan“.


Karten sind für 10 Euro (Erwachsende) und 5 Euro (Jugendliche) erhältlich.

Vorverkaufsstellen: Kultur- und Verkehrsamt Zweibrücken und alle Aktiven der Stadtkapelle..