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Rückblick zum Jahreskonzert 2018: Ohrwürmer für eine ruhige Nacht

29. Oktober 2018 @ 09:30 - 10:30

Zweibrücken. Die Zweibrücker Stadtkapelle begeisterte mit ihrem Programm „The Rhythm of America“ die ausverkaufte Festhalle. Auf Erfolgen ruht sich das Orchester aber nicht aus und denkt weiter groß. Von Sebastian Dingler

Dass es in Zweibrücken eine Stadtkapelle mit 52Musikern gibt, ist schon eine große Leistung. Dass diese es dann auch schafft,beim Jahreskonzert die Festhalle vollständig zu füllen, ist dann praktisch nochdas Sahnehäubchen obendrauf. So geschehen am vergangenen Samstag, als dieStadtkapelle ihr Programm „The Rhythm of America“ vorstellte. Der VorsitzendeVolker Lehner begrüßte die Anwesenden und meinte, er sei gespannt, welche neuenWitze der Dirigent Björn Weinmann wohl auf Lager hätte. Den ersten Scherzbrachte aber Lehner selbst: „Nehmen Sie ruhig einen Ohrwurm mit nach Hause, derkann Sie dann in den Schlaf wiegen.“

Anschließend wurde er aber ernst und sprach über dieBilanz der letzten fünf Jahre: „Wir haben unser Orchester umgebaut zu einemsinfonischen Blasorchester.“ Man solle nicht denken, dass mit der jetzigenAnzahl von Musikern schon alles erledigt wäre: „Wenn man die moderne Literaturrichtig spielen will, brauchen wir noch 20 Leute.“ Die große Akquise-Aktion imletzten halben Jahr habe dann wenigstens zu einem Neuzugang geführt. „Einer istbesser als keiner“, meinte Lehner dazu. Man wolle aber weiter „rasseln“, um aufsich aufmerksam zu machen.

Das Konzert begann mit der „New York Overture“ desholländischen Komponisten Kees Vlak, der die Lichter der Stadt beim Landeanflugsowie die morgendliche Stimmung in einem Stadtpark musikalisch einfing. Um demPublikum nicht nur „schwere Brocken“ zuzumuten, wollte Dirigent Weinmann auchgerne mal etwas leichtere Unterhaltung einfließen lassen, und so kam der alteSchlager „Wochenend‘ und Sonnenschein“ zu Gehör.

Aber Moment, was hatte der nun mit Amerika zu tun?Nun, im Original stammt die Melodie von dem Amerikaner Milton Ager und wurdezum Text „Happy Days Are Here Again“ gesungen. Dann kam wieder Kees Vlak zuGehör, der sich auch einmal mit den Musikstilen der Stadt Rio de Janeirobeschäftigt hat. Bei der Komposition „Las playas de Rio“ war es nicht ganzeinfach, den Zusammenhang zur Stadt am Zuckerhut herzustellen – aber immerhinkämpfte sich die Stadtkapelle bravourös durch die komplizierte Komposition.Dabei hatte Weinmann zuvor noch geunkt: „Ich hoffe, es gelingt. Andernfalls –viel Glück!“.

In der Pause wurde für die Bigband der Stadtkapelleumgebaut. Die spielte zunächst einen Blues, ehe sie sich an den „Geschmack von Kuba“, also „Sabor de Cuba“, heranwagte. Da stimmte die Kongruenz von Musik undRegion, Weinmann lieferte dazu ein tolles Saxofon-Solo ab.

Neben dem Japaner Naohiro Iwai steht der Dirigent offenbar auf holländische Arrangeure und Komponisten. Jacob de Haans vor allem rhythmisch schwieriges Stück „Oregon“ wurde so stark dargeboten, dass Weinmann seinen Musikern hinterher applaudierte. „Ich glaube, ich habe nicht zu viel versprochen, das war grandios gespielte Blasmusik“, sagte der euphorisierte Orchesterleiter, der auch für seine Zukunftspläne warb: „Wir wollen in Zweibrücken ein Zentrum für sinfonische Blasmusik aufbauen.“ Doch zunächst suche er nach Waldhörnern, einer zweiten Oboe, einem zweiten Fagott und vielleicht auch mal nach einer Harfe. Der Zuspruch der ausverkauften Festhalle war dem Orchester in jedem Fall gewiss. Spätestens nach der ersten Zugabe, einem Blues-Brothers-Medley, riss es die Zuschauer aus den Sitzen. Erst recht, als die Stadtkapelle traditionell mit dem Fliegerlied endete. Und die bereits erwähnten Witze von Weinmann, die erwartet worden waren? So viele waren es nicht, aber zumindest den kürzesten Musikerwitz überhaupt gab der Dirigent zum Besten: „Gehen zwei Musiker an einer Kneipe vorbei.“

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Datum:
29. Oktober 2018
Zeit:
09:30 - 10:30